Aufzeichnung des Vortags von Prof. Dr. Thomas Häcker auf der Campus Innovation 2009
In diesem wirklich sehens- und hörenswerten Vortrag benennt Thomas Häcker eine Reihe von kritischen Punkten zur (E-)Portfolioarbeit. Im Mittelpunkt seiner kritischen Anmerkungen stehten “Verkürzung von Bildungsansprüchen” und “Austrocknung von Lernsinn” sowie die Gefahr der Vereinnahmung durch neoliberale Denkweisen und Perspektiven. Der neoliberalen Ratio und der Gefahr, dass das Medium die pädagogischen Prozesse überlagert, setzt Häcker die Aufforderung entgegen, (auch) in der Portfolioarbeit “Selbststeuerung” immer in Richtung “Selbstbestimmung” zu überschreiten und die Implikationen von Methoden, Techniken und Prinzipien zu reflektieren.
Creative City Berlin ist ein Berliner Portal mi Portfolios von Personen und (Institutionen!) der Creative-Industries. Initiiert wurde es von der Berliner Senatverwaltung.
Als reines Präsentationsportfolio scheint sich das Portal zunächst mal auf die wachsende Bedeutung der Portfolio-Netzwerke zu verlassen, denn mir sind neben der Web-Präsenz noch keine Werbeauftritte oder Bekanntmachung dieses Portals aufgefallen. Die Selbstdarstellung nimmt sich dagegen weniger bescheiden aus:
Creative City Berlin ist das zentrale Internetportal für Kulturschaffenden und die kreativen Branchen Berlins. Es ist zugleich Präsentationsplattform und Anlaufstelle - egal ob Sie schon in Berlin ansässig sind oder dies planen.
Die Portfolios selber werden - so weit ich das durchgegangen bin - weitgehend von Vertreter/-innen der visuellen Branche veröffentlicht. Dem Portal bleibt zu wünschen, dass Sie hinsichtlich Bekanntheitsgrad und Beteiligung die kritische Masse erreichen, bevor die Förderung ausläuft!
Das Projekt DiMeKon in Zusammenarbeit mit der E-Portfolio Initiative Berlin lädt Sie hiermit herzlich zum Pre-Konferenz-Workshop im Rahmen der Online Educa Berlin 2009 ein:
Kompetenzentwicklung mit E-Porfolios unterstützen
am 02. Dezember 2009, 14:00 - 18:00 Uhr.
in der HTW - Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Treskowallee 8, 10318 Berlin
Das Erfassen, Dokumentieren und Bewerten non- und informell erworbener Kompetenzen ist eine der zentralen Herausforderungen für die gegenwärtige Bildungspolitik und Bildungsentwicklung in Deutschland. Der Einsatz von E-Portfolio Systemen, Personal Learning Environments, und personalisierten Web 2.0 Technologien bietet hierbei ein neuartiges Instrumentarium zur Gestaltung lernendenzentrierter, selbstgesteuerter Lehr-, Lernarrangements. E-Portfolios werden zur Zeit in verschiedenen Anwendungszusammenhängen und Aufgabenbereichen entwickelt und eingesetzt. Entsprechend dem jeweiligen Aufgabenzuschnitt entwickelt sich daher auch die E-Portfolio-Technologie zu mehr oder weniger spezialisierten Lösungen.
Der Workshop möchte vor dem Hintergrund dieser Situation folgendes leisten:
Im einleitenden Statement soll ein Überblick angeboten werden, welche Arten von E-Portfolios sich zur Zeit in der Diskussion und/oder im Einsatz befinden.
Getrennt nach den hauptsächlichen Anwendungsbereichen (z.B. Schule, Hochschule, Unternehmen, Lebenslanges Lernen) möchten wir in Kleingruppen Einblicke schaffen, welche Anwendungen zur Zeit in Deutschland, bzw. in der Region Berlin-Brandenburg entwickelt und / oder eingesetzt werden.
Ziel der zusammenführenden Diskussion ist es, gegebene Systematisierungen aufgrund der Anwendungserfahrungen kritisch zu überprüfen. Insbesondere die Frage nach Schnittstellen und Interoperabilität der unterschiedlichen Ansätze und Modelle soll hierbei im Vordergrund stehen.
Wir würden uns freuen, Sie auf dem Workshop begrüßen zu dürfen und freuen uns auf ein spannendes und ertragreiches Gespräch!
Bitte beachten Sie, dass die Anmeldung über die Internetseite der Online Educa Berlin erfolgt. Die Teilnahme ist kostenlos und kann unabhängig von einer Teilnahme an der Hauptkonferenz gebucht werden. http://www.online-educa.com/pre-conference-events
Die factline Webservice GmbH aus Salzburg bietet E-Portfolio Systeme auf der Grundlage einer generischen Plattfomlösung an. So weit, so wenig speziell und ein Blick auf die Webseite zeigt auch, dass die E-Portfolios wohl zur Zeit nicht zu den Hauptaktivitäten der Österreicher gehören.
Auf factline aufmerksam machen möchte ich, weil dieses Team - neben einem E-Portfolio Begriff, den ich grundsätzlich teile (”Eignerschaft” & “Lernraum” als wesentliche Begriffsachsen) - sich einem bisher eher vernachlässigtem Thema gewidmet haben, nämlich der Persistenz und Verlässlichkeit der Verfügbarkeit von Daten und Links. Dafür wird ein Lösungsansatz vorgeschlagen, der eine “Selbstbindung” der Eigner/-innen vorsieht, veröffentlichte Informationen verfügbar zu halten. Die Selbstbindung wird in Form von Metadaten, die an das betreffende Portfolio-Objekt gebunden sind, mit veröffentlicht:
Entscheidend für das Funktionieren dieses Konzepts ist zweierlei: Klarerweise muss die vergebene Garantie deutlich sichtbar und als zur Information gehörig erkennbar sein. Weiters muss dieser Garantie Vertrauen entgegengebracht werden. Ausschlaggebend dafür ist die Glaubwürdigkeit der dahinterstehenden Organisation oder Institution, sowie eine sinnvolle, transparente Systematik, mit der die Bestandsgarantien vergeben werden. Werden Glaubwürdigkeit und Systematik von Autor und Leser anerkannt, so ist die oben erwähnte Grundvoraussetzung der „verlässlichen Verfügbarkeit von Information“ erfüllt. Kombiniert mit der Verknüpfbarkeit von Informationen wird es möglich, Information verlässlich in eine sich weiterentwickelnde Lernumgebung einzubinden und das E-Portfolio dadurch zur nachhaltig nutzbaren Wissensressource zu machen.
Wesentlich ist also auch in diesem Ansatz, dass die Institutionen die E-Portfolios betreiben, hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit bei den Eignerinnen vollkommen ankerkannt sind.
Ein Blick über die Grenzen bringt wie so oft interessante Erkenntnisse. Die E-Portfolio Initiative Austriahat sich sich zum Ziel gesetzt, E-Portfolios als Instrument des lebenbegleitenden Lernens nachhaltig im Bildungswesen und der Industrie zu etablieren. Auf der Website werden neben einer Selbstdarstellung News zum Thema ePortfolio angeboten. Bemerkenswert ist der Bezug zur europäischen Initiative ePortfolios for all. Das Ziel der Kampagne wird wie folgt skizziert:
The main objective of the 2010 Campaign is that in 2010 all European citizens will have access to an ePortfolio, giving them the possibility to take advantage of the full benefits the ePortfolio can bring.
In Deutschland ist die Diskussion ja bislang eher zurückhaltend. Auf jeden Fall erscheint es relativ unwahrscheinlich, daß bis 2010 ein flächendeckender Zugang zu ePortfolio-Angeboten für Arbeitnehmer, Studierende und Schüler zur Verfügung stehen wird.